Sonntag, 5. Juli 2015

Hitzetod, Todesfalle Auto: Mops stirbt in Meisdorf

Aus aktuellem Anlass möchte der Mopsclub CfdM seine Mitglieder und natürlich auch alle anderen Hundehalter auf die Gefahr vom Hitzetod im Auto hinweisen. Eigentlich sollte jedem Hundebesitzer diese Gefahr bewusst sein, leider zeigt die Erfahrung im täglichen Leben immer wieder etwas anderes.

Am 04.07.2015 starb der Mops eines Züchters vom Deutschen Mopsclub DMC den qualvollen Hitzetod im abgestellten Auto.

Ereignisschilderung laut 1. Polizeibericht


Ein auf der Hundeausstellung anwesender Tierarzt ließ den Züchter mehrmals Ausrufen, damit dieser den Mops sofort aus dem überhitzten Auto holt. Leider erfolgte auf die Durchsagen keine Reaktion und als die herbeigerufene Polizei vor Ort eintraf, war die Hündin nicht mehr zu retten. Nach einer bisher noch unbestätigten Aussage befand sich noch ein zweiter Mops im Auto, der am Samstag Abend noch um sein Leben kämpfte.

06.07.2015: Update der Ereignisse vom 04.07.2015 in Meisdorf


Nach den neuesten Erkenntnissen gab es keine Durchsagen an den Hundebesitzer mit der Aufforderung die Hunde sofort aus dem Auto zu holen. Es wurde also keine kostbare Zeit zur Rettung der Hunde verschenkt. Als die Notlage der Hunde zur Ausstellungstierärztin gelangte, handelte diese sofort und war in weniger als 1 Minute bei den Hunden. Trotz aller Bemühungen konnte die Tierärztin nur das Leben eines Hundes retten. Weiteres hierzu siehe Kommentare.

08.07.2015: Ein Ersthelfer und Augenzeuge schildert die Ereignisse


Der Ersthelfer und Augenzeuge Thomas S. schildert auf der Facebook-Seite des MDR den Ablauf der Ereignisse, wie er sie vor Ort erlebt hat. Thomas S. hat die Notlage sofort erkannt und unverzüglich gehandelt um das Leben der Hunde zu retten. Gemeinsam mit dem Besitzer erfolgte die Erstversorgung der überhitzten Hunde in Form einer Kühlung durch Wasser. Während Thomas S. weiter die Hunde kühlte, wurde durch den Hundebesitzer und der Schwester des Ersthelfers weiter nach einem Tierarzt gesucht.

Sehr schnell entstand dann ein Auflauf von Schaulustigen, wobei kaum einer der Anwesenden unterstützende Hilfe leistete. Durch den entstehenden Tumult wurde Thomas S. sogar von den Hunden weggedrängt und konnte nicht weiter helfen. Kurz darauf traf die Schwester des Ersthelfers mit der Tierärztin ein. Den weiteren unschönen Ablauf können Sie im Original unter Facebook MDR nachlesen.

An Thomas S. und Familie ein ganz herzliches DANKE für die sofortige und umsichtige Nothilfe. Solche Menschen braucht das Land.

Nach dieser Schilderung hat der Hundebesitzer einen tragischen Fehler gemacht und offenbar die Hitzegefahr im Auto völlig unterschätzt. Dies entschuldigt sicher nicht die Notsituation in die die Hunde gebracht wurden, jedoch macht die Schilderung deutlich das der Hundehalter von der eingetretenen Situation sehr betroffen war und diese ihn überfordert hat.

Weiterhin macht das traurige Ereignis deutlich, dass die Mitgliederschulung und Fortbildung in den VDH-Vereinen und Clubs auch den Bereich solcher Notsituationen abdecken muss. Zum einen darf eine solche Situation ,verursacht durch einen Züchter im VDH, niemals entstehen. Zum anderen muss man auf einer Hundeaustellung erwarten das in einer solchen Situation zumindest alle VDH'ler sofort rennen und alles andere stehen und liegen lassen um die Hunde zu retten, sobald darüber Kenntnis erlangt wird. Es bleibt daher zu hoffen, dass unter den behindernden Gaffern und Sprüchklopfern kein VDH'ler war.

Der Züchter nahm an der Hundeausstellung in Meisdorf teil, wo der Deutsche Mopsclub am selben Tag auch noch einen Belastungstest und eine Zuchtzulassungsprüfung angesetzt hatte.

Bei Aussentemperaturen von weit über 30 Grad sicher keine gute Terminwahl, sowohl Belastungstest als auch Zuchtzulassungsprüfung hätte man bei diesen Temperaturen besser absagen sollen. Für derartige Veranstaltungen sollte ein Termin gewählt werden, an dem gemäßigte Temperaturen zu erwarten sind. Bei Temperaturen über 30 Grad ist insbesondere die zugemutete Dreifachbelastung für einen Mops aus Belastungstest, Zuchtzulassungsprüfung und Ausstellungsteilnahme schon als grob fahrlässig zu bezeichnen. Der 1. Vorsitzende des Deutschen Mopsclubs Daniel B. war vor Ort und hätte aus Fürsorgegründen für die Hunde zumindest Belastungstest und Zuchtzulassungsprüfung absagen müssen.

Der Mops des DMC Züchters ist zwar nicht an den Folgen dieser Mehrfachbelastung gestorben, jedoch sollte sich eine derartige Terminansetzung aus Tierschutzgründen nicht wiederholen. Für Belastungstests und Zuchtzulassungsprüfungen gibt es eine Vielzahl von Terminmöglichkeiten in der kühleren Jahreszeit, diese muß man nicht in den Hochsommer legen und zusätzlich noch mit einer Ausstellung kombinieren.

Der Club für den Mops - CfdM missbilligt derartige Terminansetzungen und ruft zu mehr Verantwortungsbewußtsein für den Hund auf. Hier steht der Tierschutzgedanke eindeutig über eventuellen Terminwünschen von Einzelnen, falls dies die Intention für die unglückliche Terminwahl war.

Letztendlich wurde der tragische Hitzetod der Mopshündin durch das grob fahrlässige und verantwortungslose Verhalten des Mopszüchters ausgelöst. Für ein derartiges Verhalten von einem Hundezüchter im VDH gibt es keinerlei Ausreden. Hier kann am Ende, bei entsprechender Beweislage, nur ein lebenslanges Zucht- und Hundehaltungsverbot stehen.

Den verantwortungslosen Mopszüchter erwartet nun noch ein gerichtliches Nachspiel wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und die Tierschutzhundeverordnung. Hier ist im § 8 ausdrücklich geregelt, das für ausreichende Frischluft und angemessene Temperaturen zu sorgen ist, wenn ein Hund ohne Aufsicht in einem Fahrzeug verbleibt.

Das Amtgericht Neustadt hat in diesem Zusammenhang einen Hundebesitzer zu 3 Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt und in einem anderen Fall das Amtgericht Regensburg auf eine Geldstrafe in Höhe von 12.000 € befunden.

Hitzestau im Auto, tödliches Risiko für den Hund.


Immer wieder unterschätzen offenbar Hundehalter das Hitzerisiko im Auto. Schon bei Temperaturen von 25 Grad kann innerhalb von wenigen Minuten der Hitzetod für den Hund eintreten. Sehen Sie sich das folgende Video mit einem Selbstversuch durch einen Tierarzt an:


Ab einer Körpertemperatur von 40 Grad treten beim Hund Kreislaufbeschwerden auf. Die Blutversorgung der lebenswichtigen Organe ist nicht mehr ausreichend und ein Schockzustand kann eintreten. Steigt die Körpertemperatur weiter auf 43 Grad, gerinnt das körpereigene Eiweiß und kann zu Bewusstlosigkeit und Tod des Hundes führen.

Da Hunde nicht Schwitzen können, wird die kritische Körpertemperatur im überhitzten Auto wesentlich schneller erreicht als beim Menschen. Daher können schon wenige Minuten für den Hund tödlich sein.

Im Fall des Mopses in Meisdorf war bei einer Aussentemperatur von 36 Grad Celsius bereits nach 5 Minuten der kritische Punkt von 40 Grad erreicht und nach weiteren 5 Minuten schon die tödlich wirkenden 43 Grad.

Hitzeentwicklung im geschlossenen PKW nach A. Grundstein, Grafik: (CC BY 3.0 DE liliput-lounge.de)

Wie sich die Temperatur im Auto entwickeln kann, können Sie über diesen Link nachverfolgen. Bedenken Sie als Hundehalter, der seinen Hund allein im Auto zurücklässt, auch immer folgendes:

Selbst wenn Sie sich nur 100 Meter entfernen um ganz schnell etwas zu erledigen, kann immer etwas Eintreten das Sie aufhält oder es passiert etwas mit Ihnen selbst. Niemand weiß dann das Ihre Hunde im Auto "kochen" und in wenigen Minuten sterben werden.

Vermeiden Sie dieses Risiko einfach dadurch, das Sie bei Temperaturen über 20 Grad Celsius und Sonnenschein einfach keinen Hund ohne Aufsicht im Auto zurücklassen. Bedenken Sie hier auch, das bei einem Todesfall des Hundes bis zu drei Jahren Gefängnis oder Geldstrafe bis zu 25.000 € als Strafe drohen.


Kommentare:

  1. Tobias Herstrom5. Juli 2015 um 23:01

    Für zukünftige Ausstellungen müssen die Lehren aus dem bedauerlichen Tod des Mopses gezogen werden. Hier haben auch die Veranstalter geschlafen. Bei solchen Temperaturen muss man immer damit rechnen das Hunde im Auto in Not geraten und entsprechend vorbereitet sein. Da müssen ständig die Parkplätze kontrolliert werden und schon im Vorfeld der Ausstellung klare Absprachen mit der Polizei getroffen werden, falls der Notfall eintritt. Die Polizei kann unter Umständen nicht rechtzeitig einen Hund retten und dafür muss ein Plan B vorhanden sein. Dies gehört zu einer guten und verantwortungsvollen Ausstellungsplanung dazu. Hier hat jemand gehörig geschlafen bei der organisation der Ausstellung. Lernt daraus und macht es im nächsten jahr besser....*-)

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    1. Ohne Kenntnis der genauen Umstände (verstrichene Zeit) sollte hier dem Veranstalter kein Vorwurf gemacht werden. Wie lange die Hunde im überhitzten Auto waren, ist derzeit nicht bekannt. Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob man im Rahmen einer Nothilfe für die Hunde sofort eine Autoscheibe einschlägt oder nicht. Dies kann aber immer nur im Einzelfall entschieden werden, wenn man direkt vor Ort ist und den Zustand der Hunde sieht.

      Bei offensichtlich akuter Lebensgefahr für die Hunde ist die Frage "sofort Scheibe einschlagen oder nicht" sicher leicht zu beantworten, da in solchen Fällen jede Minute zählt. Hier sollte dann auch für jedermann das Leben der Hunde über der zu begehenden Sachbeschädigung am Auto stehen.

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  2. Unklar bleibt, warum jemand so verantwortungslos handelt,
    unklar bleibt für mich aber auch, warum die Beobachter der Situation und der Tierarzt nicht gehandelt haben.
    Leider ist dieser Tod ja nicht der einzige in diesen Tagen,
    immer wieder sind es Meldungen von verstorbenen Tieren im Auo die einfach fassungslos machen.
    http://communicanis.de/html/cc_-_der_blog.html

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    1. Derartige Ereignisse wird wohl niemand verstehen, der über einen gesunden Menschenverstand verfügt. In den meisten Fällen wird es wahrscheinlich einfach Unwissenheit und das unterschätzen der Gefahr für den Hund sein, obwohl man auch das kaum nachvollziehen kann. Platt ausgedrückt: So doof kann man doch nicht sein.

      Im vorliegenden Fall ist das Geschehene umso unverständlicher, da der Veranstalter ständig über Durchsagen auf die Lebensgefahr für Hunde im überhitzten Auto hingewiesen hat.

      Nach den neuesten Erkenntnissen waren die ersten Schilderungen der Ereignisse nicht korrekt.

      Nach heutigem Wissensstand waren die Möpse des Züchters im Auto und dieser entfernte sich dann für eine hier nicht bekannte Zeit von seinem Fahrzeug. Als er dann wieder zum Fahrzeug zurück kam, waren beide Hunde bereits kollabiert. Daraufhin wurde die Ausstellungstierärztin informiert und war in weniger als 1 Minute bei den Hunden. Unter Assistenz von 2 Tierarzthelferinen, 2 Polizisten und weiterer Helfer versuchte die Tierärztin alles um das Leben der Hunde zu retten. Leider gelang das nur bei einer Hündin.

      Von Seiten der Tierärztin wurde also sofort, ohne jede Zeitverzögerung, gehandelt. Das Verhalten war also absolut vorbildlich und es wurde alles getan um das Leben der Hunde zu retten.

      Eine Ablaufschilderung der Tierärztin ist auch unter https://www.facebook.com/photo.php?fbid=10204574985395439&set=p.10204574985395439&type=1&theater zu finden.

      Unterschwellige Vorwürfe gegen Veranstalter und Tierärztin haben also auf einer falschen ersten Berichterstattung beruht und entbehren jeder Grundlage.

      Die polizeilichen Ermittlungen werden sicher den genauen Sachverhalt aufklären.

      Die Ereignisse haben recht hohe Wellen geschlagen. Innerhalb des Deutschen Mopsclubs DMC wurde öffentlich Kritik laut, die sich gegen anwesende Clubfunktionäre ob dessen Verhaltens auf der Ausstellung in Meisdorf im Zusammenhang mit der Vorfall richtet.

      Die nächsten Tage werden hier mehr Klarheit darüber bringen, was dort in den "Mopskreisen" vorgefallen ist.

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